Früher kam der Schulrat in die Schulen, um nach dem Rechten zu sehen. Die Älteren wissen noch, wie Schulleiter, Lehrer und die Schüler diese Visiten fürchteten. Ganz anderes in der vergangenen Woche als sich die Gemeinderäte von Bärenthal unter Leitung ihres Bürgermeisters Roland Ströbele auf den Weg nach Kolbingen in die Wachtfelsschule machten.
Der Kolbinger Bürgermeister Konstantin Braun und Rektor Walter Ströbel hießen die Bärenthaler Nachbarn herzlich willkommen. Schulleiter Ströbel ging zunachst auf das Schulgebäude ein, 1966 gebaut und dann im Jahr 2002 für 1,5 Millionen Euro generalsaniert. 160 Schüler würden in dem modern und mit allen erforderlichen Geräten und Unterrichtsmaterialien ausgestatteten Haus einen individuell ausgerichteten Unterricht erfahren. Von Dienstag bis Donnerstag werde ein schmackhaftes Mittagessen zu äußerst günstigen Preisen angeboten. An zwei Tagen betreuten die Pädagogen die Schüler bei der Lösung ihrer Hausaufgaben. Die Jahrgangsstufen 5 und 6 sowie 7 und 8 würden als Kombinationsklassen geführt. Bei 7 – 8 Schülern je Klasse könnten die jungen Menschen optimal gefördert werden. Das bei der neuen Werkrealschule obligatorische Wahlpflichtfach werde in Kolbingen freiwillig gehalten. Bürgermeister Konstantin Braun wies auf ein bei der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in Auftrag gegebenes Gutachten hin. In der unabhängigen Studie werde die Leistungsfähigkeit der Hauptschule, die Zufriedenheit von Schulabgängern und Eltern sowie der örtlichen Betriebe bestätigt. Die Kooperationen mit den Unternehmen seien fruchtbar. Durch Praktika der Schüler lernten einerseits sie die Arbeitswelt kennen und andererseits hätten die Firmen Einblick in Stärken und Einsetzbarkeit der Hauptschüler. Ein nahtloser Übergang von der Schule in die Lehre sei gegeben.
Die Frage von Bürgermeister Roland Ströbele, ob die Schule auch mit Bärenthaler Unternehmen kooperieren würde, wurde bejaht. Niemand stünde nach dem Schulabschluss auf der Straße. Einig seien sich die gewählten Vertreter der Gemeinden Kolbingen, Renquishausen und Königsheim, die den Schulzbezirk bildeten, die Hauptschule auf keinen Fall aufzulösen. Für 2011 werde Antrag auf Genehmigung als Ganztagesschule gestellt, die de facto schon existiere.
Die interessierten Räte aus Bärenthal stellten zahlreiche Fragen, so auch nach der Zukunftsfähigkeit hinsichtlich des Schüleraufkommens. Dieses sei, so Braun, genau so stabil wie in den vergangenen sieben Jahren. Trotz kleiner Klassen sei die Lehrerversorgung optimal, konnte die an der Aussprache teilnehmende stellvertretende Schulleiterin Doris Berg feststellen. Wer keine Lehre antrete, würde auf die zweijährige Berufsfachschule wechseln. Von dort kämen ebenfalls positive Rückmeldungen berichtete der Rektor.
Bürgermeister Konstantin Braun bedankte sich bei den Gästen und appellierte an sie, es den Eltern frei zu stellen, welche Schule sie für ihre Kinder wählen. Die Gemeinde Kolbingen biete eine faire Partnerschaft an. „Wir wollen uns aktiv einschalten, Alternativen prüfen und offen sein“ resümierte Bürgermeister Roland Ströbele. Ganz allgemein bedauerte er, dass sich die Schulpolitik gegen „die kleine Zahl“ richte. Die Besucher aus Bärenthal zeigten sich beeindruckt vom pädagogischen Konzept und der hervorragenden Schulausstattung.