Gemeinde Kolbingen, zwischen Himmel und Höhle - aus der Geschichte

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Gemeinde Kolbingen

Von der Entdeckung bis heute 

Als man in vorigen Jahrhundert einmal entdeckte, daß der Tunichtgut Stephan im alten Kolbinger Hohlenfels sein Diebsversteck hatte, nannte man die gewaltige Felsöffnung unter dem Frauenfels die Stephanshöhle. Als solche steht sie noch heute in den Karten, obwohl den neue Teil der Kolbinger Höhle viel bedeutender geworden ist. Schon 1908 hatten Tuttlinger Albvereinler eine Nebenhalle befahren und so den Beweis geliefert, daß wohl noch einiges zu entdecken sei. Die Stephanshöhle lockte immer wieder zum Suchen, bis ein Geologe den Schultheißen Hipp ums Jahr 1913 darauf aufmerksam machte, daß wahrscheinlich hinter der Stephanshöhle noch ein größeres Höhlensystem zu vermuten sei. Das ließen sich die jungen Männer von Kolbingen nicht entgehen und machten sich ans Forschen.

Erst nach vieler Mühe erreichten sie über dem heute so bedrohlich aussehenden "Hangenden Stein" eine große Halle und damit die eigentliche Schauhöhle. Um in diese Wunderwelt hineinzukommen, war harte Arbeit notwendig. Doch die Entdecker Andreas Stengele, Karl und Xaver Riede ermüdeten nicht. Bald gesellten sich andere Albvereinler dazu: Martin Zirn, Hermann Stengele, Daniel Wachter, Julius Hipp Martin Hipp und Anton Ratzmaier.

In trefflicher Zusammenarbeit machten sie die Höhle zugänglich. Da aber der Eingang auf Fridinger Markung lag, die neue Höhle jedoch ganz auf Kolbinger Markung, gab es bald Zwistigkeiten, die nicht gerade schön zu nennen waren. Der 1. Vorsitzende des Albverein, Professor Nägele, Tübingen, schaltete sich ein und versuchte ein Einigung, die zunächst gelang, indem der Albverein von beiden Gemeinden mit der Verwaltung beauftragt wurde. Die Vereinbarung wurde jedoch nicht eingehalten und die Entdecker waren tief enttäuscht. Dann kam der Krieg.

Unverständige Bubenhände zerstörten einiges, nachdem im Frühjahr und Sommer 1914 der Besuch recht ansehnlich war. Erst nach dem Krieg gelang es endlich, zu einer neuen Vereinbarung zu kommen, ein Vertrag wurde geschlossen und der Gauobmann des Heuberg-Baar-Gaues, Emil Koch, Tuttlingen, überwachte die Höhlenverwaltung.

So ging es jahraus jahrein, nicht ohne daß immer wieder einmal Scherereien verschiedenster Art auftraten, über die man besser schweigt. Die Beleuchtung war nur mit Kerzen und Karbidlampen möglich.

Erst nach dem 2. Weltkrieg regte sich in Kolbingen wieder das Höhleninteresse, besonders gefördert durch den Vertrauensmann Johann Weiß, der selbst tatkräftig die Instandsetzung der Treppenstufen, der Brücke usw. in angriff nahm. Man erwarb ein Stromagregat und Mechanikermeister J.M.Hipp installierte eine elektrische Beleuchtung. So konnte man 1950 ein echtes Höhlenfest feiern. Man hoffte, daß es so bleiben würde. Aber die Frage der Beleuchtung war doch schwierig, die Holzbauten waren oft erneuerungsbedürftig, und als auch die Brücke schadhaft wurde, mußte man von 1958 an die Höhle schließen. Jetzt war die Gefahr des zerstörens noch größer und leider ging manche Besonderheit in diesen Jahren verloren.

Immer wieder versuchte man, die Neu-Erschließung zu erreichen. Aber es fehlte an allen Ecken und Enden. Erst im Jahr 1967 kam es auf wiederholtes Drängen des Gauobmanns zu einem Kostenvorschlag durch Architekt Staller, Wehingen. Damit war die Grundlage geschaffen für einen Neubeginn.

 

Arbeitsbericht

Der neue Vertrauensmann Eugen Mattes hatte dies noch in die Wege geleitet, gab sein Amt aus gesundheitlichen Gründen 1968 an Lothar Scharras ab, an den "richtigen Mann für die Höhle". Nachdem auf Vermittlung des Gauobmanns H. Streng ein namhafter Betrag des Hauptvereins sichergestellt und durch einen neuen Vertrag zwischen den Gemeinden Fridingen und Kolbingen einerseits und dem Schwäbischen Albverein andererseits die rechtliche Grundlage gegeben war, konnte man mit Nachdruck an den Ausbau der Höhle herantreten.

In Erweiterung der früheren Vorschläge wurde die Neu-Erschließung ins Auge gefaßt. Es mußte etwas geschaffen werden, das nicht nur ein paar Jahre halten würde, sondern etwas, das die jetzige Generation überdauern sollte. Steinmetzmeister Schad übernahm die Bauleitung, und nun setzte eine einmalig gute Bürgerleistung ein, die festgehalten werden muß. Im Frühjahr und Sommer 1968 arbeiteten die Kolbinger Albvereinler, vor allem die Ausschußmitglieder und einige Leute der Jugendabteilung des Albvereins, jeden Samstag und manchmal Sommerabend in einzigartigem Einsatz an dem neuen Werk. Statt der früheren Brücke über den tiefen Teil der Stefanshalle gab es nun zwei freitragende Treppen, die in diese Halle hinab- und wieder zur " Schnecke" hinaufführten. Manchmal waren bis zu 20 Mann da, fast immer fünf bis sechs und alles in der Freizeit. Die schweren Treppenträger ( 33 Zentner ) mußten auf mühselige Weise an Ort und Stelle gebracht werden. Damit kam der eins so düster wirkende wunderschöne Eingangsteil gut zur Geltung, es entstand ein richtiger Stefansdom. Allein im inneren mußten 141 Treppenstufen gesetzt werden. Die Verbindungswege wurden mit Waschbeton belegt und überall kamen stabile Geländer an die Seite. In großzügiger Weise hat K. E. Schad für die Herstellung all dieser Dinge gesorgt und auch neben seiner persönlichen Mitarbeit keine persönlichen Unkosten gescheut. Um alles ins rechte Licht zu setzten, mußte eine neue Beleuchtung durch die Firma Waizenegger, Mühlheim, installiert werden. Da erwies sich das bisherige Aggregat als zu schwach, ein neues mußte beschafft werden. Nun kommen die natürlichen Schönheiten bestens heraus.

Die Kolbinger Albvereinler haben fast 2000 Arbeitsstunden geopfert, um unsere Heimat dieses Kleinod neu zu schenken. Einige Stifter gaben Geld, die Gemeinde Kolbingen baute den Weg aus und sorgte für die Ruhebänke. Es ist alles getan, um den Besuchern ein eigenartiges Erlebnis der Heimat zu sichern.

Die Kolbinger Höhle ist zur echten Schauhöhle geworden. Die Kolbinger selbst dürfen stolz darauf sein, denn sie ist in Wahrheit auch die Höhle der Kolbinger.