Gemeinde Kolbingen, zwischen Himmel und Höhle - Vorstände und einzelne Vereine

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Gemeinde Kolbingen

Zunftbeschreibung & Gruppen 

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Beschreibung: Vogt

Wer hat auch schon aus dem Mittelalter eine solche liebwerte Figur wie den „Vogt" an seinem Ort vorzuweisen, wie das in Kolbingen der Fall ist. Und wer kennt in unserem Land nicht den Schwank „ Der Vogt von Kolbingen". Jedenfalls stand er früher in allen Lesebüchern und findet sich in allen bedeutenden Sammlungen. Wenn man diese Gestalt ergründen will, darf man nicht dem Ursprung von „Häs" und „Maske" nachgehen, sondern muß ihre Legende erfassen.

Der „Vogt" hat nichts mit den dämonischen Narrengestalten zu tun, er ist vielmehr das Bild des „reinen Toren", das aus dem Mittelalter überliefert ist. Man findet „Narren" seiner Art häufig in der volkstümlichen Literatur des Mittelalters. Auf seine Zugehörigkeit zur Szene der mittelalterlichen Narren verweist auch die „Kappe", die er in dem Schwank „als Pfand seiner Rückkehr" zurückläßt; es ist dies ganz einfach die Narrenkappe, das Attribut der mittelalterlichen Narren. Man darf hier an die mittelalterliche Zeit denken, da neben dem „Sapiens" dem „weisen Rat", auch der „Inspiens", der Narr, immer dazu gehörte. Mitunter konnte es auch zu eigenartigen Vertauschungen der Rollen des „Sapiens" und des „Inspiens" kommen, wie es auch im Schwank vom „Vogt von Kolbingen" deutlich wird. Daß man dem „Vogt" auch noch das „Narrenzepter" beigegeben hat, entspricht ebenfalls ganz der alten Überlieferung. Neben diesem Stab gehörte auch die „Keule" oder der „Kolben" früher zum selbstverständlichen Attribut des Narren. In einem alten Text heißt es „zem toren kleit nam er einen kolben groz und michel gnuog in sine hant".

Man muß dieser Spur nachgehen, weil die Kolbinger ja früher den „Kolben" im Wappenbild hatten. Die Gründer der „Narrenvogtei" hatten also seinerzeit das richtige Gespür und den notwendigen Sachverstand, als sie den Vogt aus dem alten Schwank zu ihrer Narrenfigur erkoren.

 

Beschreibung: Hilbweible

In früheren Jahren, als auf dem karstigen Heuberg das Wasser sehr knapp war, war jede natürliche Wasseransammlung lebensnotwendig. So eine Stelle gab es auch in Kolbingen und Hilb genannt.
Sie lag am südlichen Rand von Kolbingen, und heute noch trägt dieses Gewann den Flurnamen Hilb.

Seit Urzeiten verbreitet ist der Glaube an Zauberwesen, an Kobolde und Hausgeister, an gute und böse Feen. Sie wurden mit örtlichen Namen bezeichnet und waren in der Vorstellung der Menschen real existierende, wenn auch nicht menschliche Wesen mit vielseitigen Zauberkräften.
Man sah in ihnen Wesen die oft im Waldesinneren und an gefährlichen Stellen lauerten um Unvorsichtige irrezuleiten oder zu erschrecken und sie in Angst zu versetzen. Geister die sich an Seen, Weihern oder Flüssen aufhielten und Unachtsame bedrohten, sie hineinzuziehen oder gar zu ertränken.

Für eine Mutter war es offensichtlich von Vorteil, wenn sie sicher sein konnte, daß ihre Kinder zuviel Angst vor dem vermeintlichen Wald- oder Wassergeist hatten um an einem so gefährlichen Ort zu spielen. Die Nützlichkeit einer solchen Erzählung lag auf der Hand und erklärt ihren jahrhunderte langen Fortbestand.

Um einen solchen Geist handelt es sich beim Hilbweible. Es sollte Kinder aber auch andere Personen davon abhalten, sich in unvorsichtiger oder böser Absicht der Hilb zu nähern. Verunreinigungen der Hilb z.B. wurde als schlimmes Vergehen geahndet. Das Hilbweible war ebenso Schutzgeist der Kinder wie Schutzgeist der Hilb.

 

Beschreibung: Garde

Die Kolbinger Garde trägt seit 1979 ein blau/weißes Gardehäs, das im Jahre 2002 komplett erneuert wurde.
Die maximale Gruppengröße wurde in Absprache mit allen Beteiligten am 24.08.2007 auf 11 Gardemädchen festgelegt.
Voraussetzungen für die Aufnahme in die Garde ist das Mindestalter von 16 Jahren zu Beginn der jeweiligen Fasnetsaison, sowie natürlich weiblichen Geschlechts. Bei mehr Bewerbungen werden Mädchen, die aus der Kindergarde in die Garde wechseln wollen, bevorzugt.
Aufgabe der Garde ist es, den Verein bei seinen Umzügen und Veranstaltungen zu begleiten und ihn zu repräsentieren.

 

Beschreibung: Kindergarde

Die Kindergarde trägt ebenfalls wie die Garde ein blau/weißes Gardehäs.
Voraussetzung für die Aufnahme in die Kindergarde ist das Mindestalter von 10 Jahren zu Beginn der Fasnetsaison, sowie weiblichen Geschlechts.
Aufgabe der Kindergarde ist es, den Verein bei seinen Umzügen und Veranstaltungen zu begleiten und ihn zu repräsentieren.

 

Beschreibung: Elferrat

Der Elferrat hat zusammen mit Kassier und Schriftführer das Amt des Vereinsvorstandes inne. Der Elferrat besteht aus dem 1. und 2. Vorsitzenden und neun weitern Mitgliedern. Kassier und Schriftführer können auch gleichzeitig Elferrat sein.
Der Elferrat trifft sich in regelmäßigen Sitzungen um anstehende Aktivitäten und Veranstaltungen zu planen und zu koordinieren.
Der Elferrat wurde zusammen mit der Garde im Jahre 2002 neu eingekleidet, wobei das neue Häs, der Tradition verbunden, an das alte anlehnt. Es setzt sich zusammen aus einer schwarzen Hose, schwarzen Schuhen, weißen Handschuhen, dem schwarzem Hut mit weißer Straußenfeder, sowie der roten Weste und dem blauem Mantel. Die Zacken des Schultertuches am Mantel weisen auf die Burgzinnen der Herren von Ulm-Werrenwag hin, die in früheren Zeiten in Kolbingen begütert waren. Als besonderes Merkmal trägt der Elferrat als Vereinswappen den „Galgen" an einer Kette um den Hals.
An Fasnetumzügen verteilt der Elferrat „Bolle" (Süßigkeiten) aus seinem "Bollensack" an die Kinder. Mit „Narri-Narro" werden die Zuschauer begrüßt.

 

Beschreibung: Ehren-Vogtrat

In der Sitzung am 17.11 1987 fasste der Elferrat den Beschluss einen Ehrenvogtrat zu gründen.
Das Häs des Ehrenvogtrates wurde gegründet um ausscheidende verdiente Ausschussmitglieder noch etwas an die Vogtei zu binden. Sie haben so die Möglichkeit nach ihrer offiziellen Amtszeit, weiterhin an Fasnetumzügen im eigenen Häs teilzunehmen. Ehrenvogträte können an den Sitzungen des Elferrates weiterhin teilnehmen, jedoch besitzen sie kein Stimmrecht mehr.
Ehrenvogtrat kann werden, wer ununterbrochen 10 Jahre lang 1. oder 2. Vorsitzender gewesen war oder Elferräte, Kassier, Schriftführer und Vogtmeister die Ihr Amt mindestens 15 Jahre lang ohne Unterbrechung ausgeübt haben. Das Amt des Ehrenvogtrates kann erst nach dem Ausscheiden aus dem vorher ausgeübten Amt wahrgenommen werden.
In der Sitzung vom 21.12.2004 wurde der Beschluss vom 17.11.1987 wie folgt einstimmig abgeändert:
Kassier und Schriftführer können (bei Erfüllung der Richtlinien) trotz ihres Amtes Ehrenvogtrat werden, wenn sie nicht im Elferrat sind. Aktuell gibt es in der Vogtei 2 Ehrenvogträte.
Das Häs gleicht dem des Elferrates, der Mantel ist jedoch grün mit gelbem Schultertuch.

 

Beschreibung: Kolbinger Gaiß

Die Kolbinger Geiß läuft bei Umzügen vor der Narrenvogtei und trägt einen Galgen an dem das Kolbinger Ortswappen hängt. In der Vogtei wird er auch der "Täfelebub" genannt.
Er hat die ehrenvolle Aufgabe während den Umzügen den Abstand zum vorderen Verein einzuhalten und den Zuschauern die nun kommende Vogtei anzukündigen.
Sein Häs besteht aus echtem Geißenfell und ist ein Unikat innerhalb der Vogtei.

 

Sage: Der Vogt von Kolbingen

Kam da einmal ein Bursche mit lotterigen Hosen von Mühlheim die Steig herauf, um den Heuberg zu besuchen, hatte er auch schon unterwegs Gelegenheit, eine böse Tat auszuführen. Ob es so bös war, was er im Sinn hatte? Ein Bauernweib kam die Steig herunter und wollte Eier und Butter zur Stadt tragen. Ohne in den Korb gesehen zu haben, wußte der Bursche auch schon, was darin war
und danach gelüstete ihn. Er versperrte der Frau den Weg, drohte ihr mit dem Prügel und war gar nicht sehr erstaunt, als sie den Korb fallen ließ und wie besessen davon sprang. Mehr aber hatte der Hungrige nicht gewollt. Es waren noch genug Eier ganz, um einen leeren Magen zu füllen. Butter, Eier und Brot, das war gut für die Herren, also konnte es einem Landstreicher auch nicht übel werden davon, und er aß sich in aller Ruhe satt wie noch nie.
Dann setzte er seinen Weg fort und kam gegen Abend auf die Höhe nach Kolbingen. Da kam ihm aber auch schon das Unglück wie ein Riesentier entgegen. Die Bauern hatten ihn erwartet, weil die Bäuerin den Überfall geschildert hatte, und sie banden ihn mit Stricken wie einen Schwerverbrecher.
Dann zogen sie ihn ins Dorf, natürlich nicht ohne Prügel und Stöße. Die Herren von Ulm-Werrenwag waren im Ort begütert und hatten neben vielen anderen Gerechtsamen auch die hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Also wurde der Landstreicher vor die Herren geführt, und es begann auch gleich das Gericht.
Ein Menschenleben galt um diese Zeit nicht viel, und mancher wurde wegen kleiner Vergehen schon vom Leben in den Tod befördert. Hier aber lautete die Anklage auf Wegelagerei, Straßenraub und versuchten Totschlag. Also war der Kopf des Landstreichers keinen Kreuzer mehr wert. Es lautete das Urteil auf Tod durch Erhängen. Und trotzdem verlor der Verdammte seinen Humor nicht. Sei es, das ihm sein Leben selbst nicht viel wert war, sei es, daß er nicht an die Ausführung des Urteils glaubte, er lachte und bedankte sich bei den Herren Richtern, wie wenn sie ihm etwas Großes geschenkt hätten.

Nun mußte aber, wenn einer gehängt werden sollte, der Galgen mitten im Ösch aufgerichtet werden, damit er von allen vier Seiten von Grundstücken begrenzt war. Und weil bei so einer Hinrichtung immer sehr viel Neugierige herbeiströmten, um dem armen Kerl zappeln zu sehen, wäre ein großer Teil des Kornösches zertrampelt worden. Es war gerade um St.Veit, also sechs Wochen vor der Ernte, und es wäre den Feldbesitzern großer Schaden entstanden. Aber wenn die Hinrichtung bis nach der Ernte verschoben werden mußte, dann würde durch die Arrest- und Verpflegungskosten der Herrschaft unnötige Ausgaben entstanden, und das war auch wieder Schaden. Darum wurde erneut beraten, und man kam zu dem Entschluß, der Kerl erst aufzuhängen, wenn die Felder abgeräumt seien.
Der Verurteilte mußte sich nur verpflichten, am Ägidiustag auf die Vogtei zu kommen, damit man ihn dann hängen könnte. Das tat der lustige Vogel natürlich gern. Er versprach, am bestimmten Tag ins Dorf zu kommen, bedankte sich nochmals für die gewährte Galgenfrist und zog frohgemut zum Ort hinaus.
Ob er kommen würde? Da glaubte kein Mensch daran. Aber sie hatten sich alle getäuscht! Am Ägidiustag stand der Landstreicher vor den Dorfherren, um sein gegebenes Versprechen einzulösen. Er war gekommen, um den Galgen zu besteigen und um zu zeigen, daß ein Vagabund auch eine Ehre im Leibe hat. Das hatte aber nicht einmal mehr der Richter erwartet, daß einer so ehrlich war. Im Stillen hatten sich die Herren geschwind überlegt, ob sie in diesem Falle auch so gehandelt hätten. Und weil so seltene Redlichkeit nicht unbelohnt bleiben darf, verziehen sie ihm, und er wurde begnadigt. Die Bauern wählten ihn daraufhin sogar zu ihrem Vogt, weil „kein Redlicherer zu finden war".
Viele Jahre war dann der Landstreicher Dorfvogt auf dem südlichen Heuberg. Es zog ihn immer wieder einmal für kurze Zeit hinaus, wie ein Vogel, der im Herbst und Frühling wandern mußte, aber er kam wieder und versah sein Amt, bis einer Tages wieder ein armer Sünder gehängt werden sollte.
Der Vogt hätte bei der Hinrichtung Zeuge sein sollen. Da war er aus dem Dorfe verschwunden und war nie mehr gesehen. Man munkelt nur leise, er sitze des Nachts auf dem Galgen und lache in den Ösch hinaus.
Er wandere die Steig auf und ab und ziehe durch die Wälder des Heubergs. Es war halt so, daß einer, der einmal vom Gericht verdammt wurde, zu Lebzeiten und nach dem Tode einen Macken an sich trug, den er nimmer abstreifen konnte, auch wenn er unschuldig war. Darum mußte der redliche Vogt auf dem Heuberg geistern gehen.